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Die geomantische Großraumline Paris-Prag führt über viele geomantisch und historisch interessante Plätze. An der Stelle dieser Kreuzung befinden sich einige der markantesten Steine des Hains. Zwischen den Bäumen ragen urtümliche Felsen auf, teilweise von Moos überwachsen, zerklüftet, gewaltig, wie ein liegengebliebenes Rie-senspielzeug. Diese Stelle ist mitten im Walde gelegen, am Fuße eines Berges, des 531 Meter hohen Weisersteins (»Hinweisstein«). Als erster war es der Bürgermeister von Wohlmannsgesees, Georg Richter, der den Ort systematisch untersuchte. Richter glaubte nach jahrzehntelanger Forschungsarbeit, daß der Druidenhain ein vorgeschichtlicher Kult- und Sonnenbeo-bachtungsort war. Später übernahm es dann Johannes Kaul, interessierte Menschen durch den Druidenhain zu führen, und seiner Meinung nach handelt es sich dabei sogar um ein keltisches Wissen-schaftszentrum, und zwar um eines der bedeutendsten in Europa. Die Felsformation als Ganzes ist natürlichen Ursprungs, die Wissenschaftler gestanden jedoch ein, daß die natürliche Entstehungsgeschichte des Druidenhains nicht einer möglichen kultischen Nutzung widerspricht, da ja gerade die Kelten bevorzugt Naturdenkmäler als heilige Orte gewählt hatten. Dennoch ist der Druidenhain in der offiziellen Wissenschaft umstritten, weil man in ihm bisher weder menschliche Überreste noch irgendwelche vorgeschichtlichen Gegenstände gefunden hat. Die Kelten wußten sehr wohl um die Kraft heiliger Orte, und sie hüteten sich, an solchen Orten zu wohnen. Wen wundert es dann, daß ganz in der Nähe des Druidenhaines Überreste keltischer Siedlungen gefunden wurden. Was besagt nun aber Johannes Kauls Behauptung, der Druidenhain sei ein keltisches »Wissenschaftszentrum« gewesen? Man weiß, daß die Ausbildung eines Druiden 20-30 Jahre in Anspruch nahm und daß der Schüler während dieser Zeit so ziemlich das ganze Wissen seiner Kultur mündlich von seinem Lehrer übermittelt bekam und in der Praxis erproben mußte. Die Druiden waren nicht nur Priester, sondern gleichzeitig auch Ärzte, Astronomen und Juristen. Das irische »Book of Pheryllt«, eines der wenigen schriftlichen Zeugnisse keltischer Kultur, spricht von insgesamt drei Ausbildungsstufen: Die Schüler des ersten Grades, des Ovydd, studierten Astronomie, Medizin, Recht, Dichtkunst und Musik. Es folgte der Grad des Barden, in dem speziell die künstlerischen Fähigkeiten weiter vervollkommnet wurden. Die Musik war bei den Kelten allerdings eine heilige Kunst, die auch der Anrufung geistiger Welten diente. Obwohl den Kelten viele Musikinstrumente wie Flöte und Harfe bekannt waren, wurde der Barde vornehmlich in der Kunst des Gesangs ausgebildet.
Die Kelten stellten die göttliche Schöpfung immer über das Menschenwerk, und so galt die menschliche Stimme als ein heiligerer Ausdruck musikalischen Schaffens als das Spielen von Instrumenten. Zu den weiteren Aufgaben des Barden gehörte es, im Lande herumzuziehen und durch seine Gesänge die Geschichte des Landes zu bewahren. Um den dritten und höchsten Grad des eigentlichen Druiden zu erreichen, galt es dann noch Fähigkeiten zu erwerben, die in der Vergangenheit die Druiden in den Ruf von »Zauberern« brachten. Es ging um Künste wie die hellsichtige Wahrnehmung, die Zukunftsschau, aber auch um das Bewegen von Gegenständen durch Gedankenkraft. In Wahrheit jedoch waren die Druiden keine Zauberkünstler, sondern das Ziel ihres lebenslangen Strebens war die Wiedererlangung der Einheit ihres Bewußtseins mit der umgebenden Natur. Die Erlangung dieser Fähigkeiten waren nur der Gradmesser ihrer Entwicklung, und im allgemeinen verschmähte es ein Druide, durch Demonstration seiner Fähigkeiten Eindruck zu schinden. Die Religion der Kelten war noch eine echte Naturreligion. Im Grunde glaubten sie nicht an personifizierte Götter. Für die Druiden manifestierte sich das Göttliche überall in der umgebenden Natur. Für sie gab es keine Unterscheidung zwischen »belebt« und »unbelebt«. Sie konnten ebenso mit Steinen wie mit Tieren und Pflanzen kommunizieren und waren so auch die geborenen Geomanten. Um zu erkennen, wie der fränkische Druidenhain den Druidenschülern für eine derart vielfältige Lehrzeit als Ausbildungsstätte dienen konnte, muß man die einzelnen Felsen der ausgedehnten Anlage genauer betrachten.
Es wäre eine grobe Untertreibung, den Hain ganz einfach in die Schublade »Ort der Kraft« einzuordnen. Das etwa 50.000 Quadratmeter große Areal hat geomantisch keineswegs eine einheitliche Ausstrahlung, sondern bietet eine vermutlich einmalige Vielfalt an Wirkungen der Erdenergien und der heiligen Geometrie. Dies beginnt schon am Eingang, wo sich der Pultstein befindet, ein nach oben zugespitzter Stein, dessen Neigungswinkel 51,5° beträgt, so wie bei der Cheopspyramide in Ägypten. Studierte der Schüler hier etwa die Wirkung von Pyramidenkräften? Gleich dahinter kommt man zum Schüsselstein, einem großen liegenden Felsen, auf dessen Oberfläche sich zwei runde schüsselförmige Vertiefungen finden, die immer mit Regenwasser gefüllt sind. Dieser Stein hat nicht nur radiästhetisch eine höchst merkwürdig polarisierte Strahlung. Hält man beide Hände in je eine der Wasserschüsseln, so spürt man deutlich einen ganz unterschiedlichen Härtegrad des Wassers: Das Wasser im linken Napf erscheint weicher. Dem Stein und dem in den Schüsseln stehenden Wasser werden Heilwirkungen zugeschrieben. Diese Dreiheit ist ebenfalls für die druidische
Tradition typisch, denn man glaubte, daß sich jede Manifestation
im Leben, und so auch das Lernen, immer in drei Schritten vollziehe. Dieser
Glaube hat sich im Christentum in der Verehrung der heiligen Dreifaltigkeit
erhalten. Unmittelbar benachbart befindet sich der als Thron bezeichnete Felsen, dessen Sitz nach heutigen Begriffen eine fast ergonomisch geformte Rückenlehne hat. Hat von dort aus der oberste Druide die Taufzeremonien beobachtet? Die nächste, aus drei parallelen Steinen bestehende Formation wird auch als Grab bezeichnet. Auch dieser Name ist vermutlich irreführend, denn es ist höchst zweifelhaft, ob hier jemals jemand begraben worden ist. Auf dem mittleren Stein waren früher zwei Runen eingeritzt: Die Ur-Rune , die für den Ursprung der Dinge steht, und die Yr-Rune , die die Erde symbolisiert. Befand sich hier der zentrale Einweihungsort? Erhielt der Druide zum Abschluß seiner Ausbildung an diesem Ort unter der Wirkung spezieller Erdkräfte die Einweihung in die letzten Ursachen der Dinge? Die Yr-Rune entspricht übrigens genau dem druidischen Symbol der drei Strahlen von Awen, die für drei Erleuchtungen stehen. Sie wurden bei geheimen Ritualen mit der Hand in die Luft gezeichnet zur Anrufung höherer Energieformen. Mit diesem Ritual schloß der Druide im allgemeinen eine magische Handlung ab. Die drei Strahlen von Awen bedeuteten dann so viel wie »So sei es« oder das christliche »Amen«. Unter dem Grab sollen sich zwei unterirdische Gänge treffen. Es heißt, die Erde klinge dort hohl. Bei den Kelten gehörte aber gerade der Kontakt zur »Anderswelt« der Verstorbenen zu den höchsten Stufen druidischer Magie. Gegenüber dem Grab befindet sich ein kleiner, etwa zwei Meter langer Dolmen, ein überdachter Hohlraum, der aus großen Monolithen errichtet wurde. Der Dachstein liegt etwas schräg auf den tragenden Seitenwänden, wie verkeilt. Der Innenraum eines Dolmen wurde von Menschen früherer Kulturen zur Meditation benutzt. Das eigentliche astronomische Observatorium befindet sich im hinteren Teil der Anlage. Zwar sind Visiersteine nach verschiedenen Himmelsrichtungen überall im Druidenhain verteilt, doch der hinter dem Grab exakt auf der ost-westlichen Ley-Linie gelegene Sternstein ist der wichtigste. Der Sternstein hat eine fünfeckige Form, bildet allerdings kein regelmäßiges Fünfeck (Pentagon), sondern ist eher länglich geformt, so wie eine riesige Lanzenspitze. Die beiden Längskanten sind exakt behauen, denn sie geben astronomische Peillinien an, ebenso die gedachte Symmetrieachse in der Mitte. Die Spitze zeigt exakt in Richtung Nordost. Es wird angenommen, daß die kultische Nutzung des Drui-denhains weit über die Zeit der Kelten hinaus bis in die Altsteinzeit reicht, der Geomantieforscher Peter Seim kam durch sein Lichtmeßsystem auf ein kultisches Alter des Druidenhains von etwa 37.000 Jahren. Es wäre nicht das erste Mal, daß die Kelten heilige Stätten früherer Völker für ihre eigenen Zwecke übernommen haben. Sollte dies zutreffen, dann wäre der Druidenhain damit um Jahrzehntausende älter als alle anderen bekannten vorzeitlichen Observatorien der Welt. Hinter dem Sternstein beginnt der wohl imposanteste Teil des Druidenhains, das sogenannte Labyrinth. Ein reichlich irreführender Name, der auf die Schwierigkeit der Menschen hinweist, sich in das Denken früherer Kulturen einzufühlen. Weder ist das »Labyrinth« wirklich labyrinthförmig, noch hatte es einen vergleichbaren Zweck wie die Labyrinthe, die man in Bauten der Antike oder in gotischen Kathedralen fand. Es besteht aus insgesamt 52 gewaltigen Monolithen, die in 13 Reihen vollkommen parallel ausgerichtet sind. Bereits die Anzahl der Blöcke und ihre Anordnung in Reihen kann uns einen Hinweis auf die wahre Bedeutung des Labyrinths geben. Es handelt sich hierbei um einen urzeitlichen Mondkalender. Da der Mond eine Umlaufzeit von rd. 28 Tagen um die Erde hat, also etwas weniger als einen unserer »Monate«, hat ein Mondjahr nicht zwölf, sondern dreizehn Monate, genau wie die Anzahl der Steinreihen im Labyrinth. Da ist zunächst einmal der sogenannte X-Stein, ein
langgestreckter rechteckiger Block. Dieser Stein hat die wohl stärkste
energetische Ausstrahlung des gesamten Druidenhains. Sie kann von sensiblen
Radiästheten noch in großer Entfernung gemutet werden. Am Rand dieses Thingplatzes findet man noch einen seltsamen kleineren Stein, in dem sich ein exakt gehauenes ovales Loch von etwa 30 Zentimeter Durchmesser befindet, das sich 70 Zentimeter tief in den Erdboden erstreckt. Es diente vermutlich zur Aufstellung der Irminsul, der keltisch-germanischen Kultsäule. Zahllose Radiästheten und Geomantieforscher haben den Druidenhain im Verlauf der Jahrzehnte bereits besucht und kamen dabei zu einer Vielzahl weiterer Erkenntnisse. So bilden Grab, Wächter, Opferstein und zwei weitere Steine des Hains ein regelmäßiges Pentagramm, einen Fünfstern, ein uraltes Schutzsymbol. Am Rande des Thingplatzes hingegen schneiden sich mehrere geomantische Linien in Form eines Hexagramms, also eines Sechssterns, der aus zwei übereinanderliegenden Dreiecken besteht. Die vielen Vogelherde, die rund um den Druidenhain liegen, beweisen das Vorhandensein eines größeren Kultraumes. Man meinte früher, die Vogelherde wären Plätze gewesen, an denen man Singvögel gefangen hätte. Heute kommt man mehr und mehr zu der Anschauung, es waren kultische Ortungsanlagen, von wo aus man den Vogelzug beobachten und deuten konnte. Wir kennen von den Mittelmeerkultbereichen, namentlich den römischen, die Form der ,,Auspizien" und die Kunst, die vorzeitliche Priester (Auguren) daraus entwickelten. Man deutete aus dem Zug der Vögel die Zukunft. Selbstverständlich muß man in dieser Hinsicht bedenken, daß nicht alle Vogelzüge gleich waren. Geländeformationen, Gebirgsketten, Flüsse usw., denen die Vögel folgten, trugen sichtlich dazu bei, daß mehrere ,,Vogelherde" erforderlich waren, um Klarheit zu schaffen. Die meisten Vogelherde hatten daneben eine Kulthöhle; so der Vogelherd am Druidenhain selbst, wo die Kulthöhle unmittelbar unter dem Felsenkopf liegt. Ferner der Vogelherd oberhalb der Heinrichsgrotte, der Wassergrotte usw. Rund um den Druidenhain liegen noch Reste von weiteren Kultanlagen, die vielleicht vom Christentum nicht ganz zerstört wurden. Hierher gehören wahrscheinlich in der Fränkischen Schweiz auch die Oswaldhöhle, Espershöhle, das Quakenschloß und die Riesenburg. Der Druidenhain ist beispielhaft dafür, wie sich menschliche Kultur ausbreiten konnte, ohne die natürlichen Energieflüsse der Landschaft zu verändern und damit aus dem Gleichgewicht zu bringen. Daß unsere heutige Wissenschaft sich schwertut, den Hain überhaupt als vorzeitliche Kultstätte anzuerkennen, beweist nur, wie weit wir uns alle bereits von diesem Denken entfernt haben.
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